Sprach- und Bildgewaltig
Mit Leuchtende Schatten kehrt Iris Wolff zurück nach Siebenbürgen –
diesmal in die dunklen Jahre des Zweiten Weltkriegs, gesehen durch die
Augen der 14-jährigen Ella. Es sind Jahre des Aufbruchs und der
Verunsicherung zugleich: Ella erwacht in die Pubertät, erlebt das erste
zarte Verliebtsein – und muss zugleich begreifen, dass die Welt um sie
herum aus den Fugen gerät.
Das eigentliche Herz des Romans aber ist die Freundschaft zwischen
Ella und Harriet, die neu in ihre Klasse kommt und Ella vom ersten
Moment an in ihren Bann zieht. Es ist eine Freundschaft, die trägt und
Halt gibt, wenn der Boden unter den Füßen zu wanken beginnt – ein
stiller Anker inmitten des Chaos. Auch Harriets Vater breitet seine
schützende Hand über Ellas Familie aus, still und selbstverständlich,
obwohl er selbst in ständiger Angst um das Leben seiner eigenen Tochter
lebt. Diese Geste – Schutz zu geben, während man selbst um das Liebste
bangt – berührt besonders und zeigt, wie viel Menschlichkeit selbst in
den finstersten Zeiten möglich bleibt.
Mit dem Ende des Krieges endet auch diese Freundschaft, die für Ella
so viel bedeutet hat – ein leiser, schmerzhafter Verlust inmitten der
großen Erleichterung, dass der Krieg vorbei ist. Zurück bleibt eine
ungewisse Zukunft für Ellas Familie, offen und bang zugleich.
Was mich an Iris Wolffs Erzählweise besonders berührt: Sie schreibt
ganz unaufgeregt, fast zurückhaltend, über den Alltag der Menschen in
Siebenbürgen – und gerade in dieser Ruhe entfaltet sich eine stille
Wucht. Sie verwebt Coming-of-Age, Freundschaft, erste Liebe, Heimat,
Familie und Trauer zu einem Geflecht, das nie überladen wirkt, sondern
immer echt bleibt. Ihr Schreibstil ist wie gewohnt bildgewaltig – man
taucht ein und möchte gar nicht mehr auftauchen.
Das Buch ist definitiv eine Leseempfehlung.









